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der Mönchsweg



Radfahren quer durch Schleswig - Holstein
Streckenverlauf
Der erste Streckenabschnitt

Montag, 28. Juli 2008
Mit der S-Bahn aus Hamburg in Richtung Wedel. Aufgrund nicht fertiggestellter Weichenarbeiten war in Altona Endstation: Gefühle kommen auf!!! Bin dann von Altona nach Wedel gefahren und hab die Fähre nach Lühe um 8:40 Uhr bekommen. So durfte ich die am Elbhang wohnenden Menschen beim Frühsport begleiten, ist schon eine Show was man zu sehen bekommt.
Fähre Wedel-Lühe
Mit der Elbfähre von Wedel nach Lühe.
Elbstrom abwärts liegt Hamburg.
Habe am Fähranleger Wedel-Schulau den Radsportverein Germania Heere aus dem Harz kennengelernt. Zehn Radler und alle Rentner mit guten Rädern, sind es gewesen, die vom Harz aus Heere zur Ostsee und wieder zurück gefahren sind. Der einfachheit halber haben sie ein Begleitfahrzeug für das Gepäck mitgehabt. Mitgenommen haben Sie nur ein wenig Werkzeug sowie Ersatzteile. An Tagesetappen haben die zehn in etwa 100 km gefahren, tolle Truppe. Sind von Glückstadt gestartet und sollten das Ziel in Munster erreichen.

Bei der Überfahrt selbst gab es einen wunderschönen Sonnenaufgang zu bestaunen. Herrliches Wetter, aber leider kam der Wind aus Osten, was für mich bedeutet hat, dass auf meiner Tour Gegenwind auf mich wartet. Für mich ging es nach Wischhafen. Natürlich aber waren mal wieder ein paar Schleusen gesperrt, wie die bei Stade und kurz vor Wischhafen.
Fähre Beidenfleth
Mit der Störfähre nach Beidenfleth übergesetzt.
Bei km 22.
Wollte auch, weil es auf dem Weg lag, die Festung grauer Ort besuchen. Leider hat es die Öffnungszeit nicht zugelassen. Sodann gab es das zweite Frühstück. In Wischhafen angekommen ging es mit der Elbfähre nach Glückstadt. Habe eigentlich vorgehabt in Glückstadt in die DJH zu gehen. Habe mich aber für noch 40 km für Fit gehalten und habe dann die Mönchstour begonnen. Bin dann gegen 17:00 Uhr in Itzehoe angekommen. Dort in der DJH habe ich ein Nachtlager für 18,- € im Mehrbettzimmer bekommen. Weil ich am nächsten Tag früh losfahren wollte, habe ich für den folgenden Tag ein Lunchpaket bekommen, dass sehr üppig und in der Zusammenstellung sehr gut war. In dem Zimmer haben drei Jungs Quartier bezogen. Die Jungs haben ihr Vorhaben in Schleswig mit dem Fahrrad begonnen und haben Salzgitter in vier Etappen als Ziel vor Augen gehabt. Am Abend habe ich noch die Gelegenheit genutzt einen Arbeitskollegen zu besuchen und habe mit ihm ein paar Dithmarscher getrunken.

gefahrene Strecke: 116,77 km



Der zweite Streckenabschnitt

Dienstag, 29. Juli 2008
Die DJH in Itzehoe ist relativ klein und nicht mehr so zeitgemäß, dennoch hat sich gerade diese Jugendherberge durch ihren Charme und ihre Mitarbeiter hervorgetan. Die Angestellten wie auch die Herbergsmutter waren sehr zuvorkommend, Hilfsbereit und Freundlich. Das lässt sich fast schon mit einen Familiärer Charakter vergleichen. Dann radelte ich los in Richtung Zentrum, durchquerte die Fußgängerzone von Itzehoe, wo ich noch einen Kaffee in morgendlicher Frische zu mir genommen habe. Dann ging es entlang der Störbögen.
Störbögen
Entlang der Störbögen.
Bei km 53.
Ein wunderschöner Sonnenaufgang war zu bewundern: Herrlich so etwas zu dieser Stunde genießen zu dürfen. Es ging durch Maisfelder und abgemähten Wiesen, das Heu lag noch zu trocknen. Der Duft lag in der Luft. Ebenso fuhr ich durch Stoppelfelder, deren Ähren es kurz zuvor an den Kragen gegangen ist. Mit diesen Eindrücken und Düften in der Nase ging es weiter durch Abwassergräben durchzogenen Wiesen an denen Störche nach Fröschen, Insekten und anderes Getier nachgestellten. Angekommen in Kellinghusen, habe ich nach einem geeigneten Frühstücksplatz Ausschau gehalten. An der Kirche habe ich ihn gefunden. Genau gegenüber dem Rathaus. Der Personenverkehr zwischen dem Rathaus und einem danebenliegenden Gebäude war sehr amüsant zu beobachten. Ebenso der Tratsch der Frauen unterhalb der Kirchenmauer. Ein Herrlicher Ort zum verweilen. Nach dem Frühstück ging es weiter nach Bad Bramstedt, wo ich von meinen reichhaltigen Lunchpaket zu Mittag essen wollte. Ein geeignetes Plätzchen aber, habe ich hier für mich nicht gefunden. Ich ziehe ruhige beschattete Orte vor. So also ging die Reise weiter.
Hinter Großenaspe, auf einem Hügel gelegen, gab es mitten in der Feldmark einen Modellflugplatz an dem ein kleiner Überstand war. Dieser Unterstand bot mir die Gastfreundschaft mit Tischen und Stühlen an worüber ich sehr dankbar war. Eine Stunde hat sich die Mittagspause, beim sehr warmen Wetter, hingezogen. Selbstverständlich habe ich meinen Müll, insofern er anfiel, eingesackt und anstandsgemäß entsorgt. Einzig ein Mähdrescher hat die Ruhe des Idylls gestört, war aber auszuhalten. Für die nächste Nacht besorgte ich mir bei der DJH in Bad Segeberg eine Unterkunft. Weiterhin begab ich mich durch den Segeberger Forst. Der ist zum Radfahren eine wahre Herausforderung, denn nach der gefahrenen Strecke und den vorgefundenen Wegen wird das Hinterteil fort während in Mitleidenschaft gezogen.
Segeberger Forst
Durch den schattigen Segeberger Forst.
Bei km 115.
Zu befahren sind hier unter anderem Wege deren Beschaffenheit aus losen Sand sowie aus gepflasterten Feldsteinen bestanden. Hinzu kommt die Bemerkung des tourenplanes, dass es im Segeberger Forst kühl an warmen Tagen sei. Das ist eine Mähr.
Der Wasservorrat, ca. 2 ¼ Liter, ging mir langsam mit der Zeit zur Neige. Einziger Lichtblick war der Wildpark Eegholt . Doch hier gab es nur Sprudel aus dem Automaten und bin dankend ohne zu kaufen weitergefahren. Somit war das noch verbliebene nasse Gut noch sensibel zu dosieren. In Wahlstedt angekommen, fuhr ich zur ersten Tankstelle um meinen Durst lindern und meine Vorräte wieder aufzufüllen. Die Wegweiser auf dieser Strecke lassen teilweise sehr zu wünschen übrig. Es hieß nun nach Stand der Sonne und nach Bauch zu navigieren. In Bad Segeberg angekommen, habe ich zuerst nach einer geeigneten Wirtschaft Ausschau gehalten die auch lokales Bier ausschenkt. Das war gar nicht so einfach.
Bin dann im Einstein,gegenüber der Kirche, hängen geblieben. Ducksteiner war angeschrieben, bayrisches Dünnbier gab's aber nur, die Karte war noch nicht korrigiert, so die Entschuldigung der Bedienung. Na denn, das Essen hat wohlgetan. Am Nebentisch, an dem zwei junge Damen saßen, tat sich Merkwürdiges. Plötzlich ging ein junger Passant auf einer der jungen Damen zu und bat um ein Autogramm. Der Bedienung fragend wer dies wohl sei, erhielt ich als Antwort das diese eine Schauspielerin sei und bei "Gute Zeiten, schlechte Zeiten" mit spiele. Diese junge Dame muss dann wohl, so vermutete ich, bei den Karl May Festspielen mitwirken.

gefahrene Strecke: 103,12 km



Der dritte Streckenabschnitt

Mittwoch, 30. Juli 2008
Habe die DJH Bad Segeberg verlassen, zum Glück. Am Vorabend habe ich einen Angestellten gefragt,
Trave
Über die Trave bei km 135.
ob ich ein Lunchpaket bekommen kann, da ich morgens sehr früh losfahren wolle. Die plumpe Antwort war: NEIN, das geht nicht. Auf wiederholte Nachfrage: das machen wir nicht. Sie können ja auch in ein Hotel gehen. Da habe ich einen dicken Hals bekommen. Wenn ich einen Grund als Antwort bekommen hätte, währe das für mich ja in Ordnung, dem war aber leider nicht so. Nach dem Gepäck abladen habe ich nochmals versucht den Angestellten wegen des Lunchpaketes zu fragen. Dazu kam es aber nicht, denn die Herbergsmutter unterbrach mich mit "wie Reden sie mit meinen Angestellten?". Ich habe es mir verkniffen zu antworten: Das die Angestellten nur so gut sein können wie der Chef es selbst vermag. Wollte aber keinen Streit und beließ es dabei. Ergo. kein Lunchpaket dafür ein Einzelzimmer für 26,- €. Zumindest war es ruhig. Von der DJH Segeberg um 5:45 Uhr gestartet, ging es in Richtung Ihlsee, wo mich ein wunderschöner Sonnenaufgang belohnt hat.
Dann weiter über die "frische Träne" in Richtung Trappenkamp. In Bornhöved angekommen gab es dann noch mal ein Kaffee mit Schokocroissant. Dabei beobachtete ich, dass sich der Himmel mit einem Wolkenvorhang langsam zuzog was sich wohl in absehbarer Zeit mit Niederschlag auflösen würde.
holsteinische Schweiz
Holsteinische Schweiz.
Ein Ausblick bei km 225.
Das Wetter wurde ziemlich wechselhaft. Es war windig und regnerisch. Es hatte bei der Weiterfahrt den Eindruck, dass die Regenfront vor mir weg gezogen ist. Die Straßen und Wege waren alle Nass. Es lässt sich sehr gut fahren. Aus einem früheren Plön Urlaub habe ich sodann einiges wiedererleben dürfen. Angekommen in Plön gab es für mich erst einmal einen Becher Kaffee für 1,50 €. Von Plön ausgehend fing es jetzt an, die "holsteinische Schweiz" kennen zu lernen. Richtung Malente waren dann die ersten Anstiege und Abfahrten zu fahren. Teilweise waren es kurze Anstiege auf losen Schotter, die zu bewältigen waren. Das war nun der Anfang der noch auszustehenden Herausforderungen.
Über Malente war ich ziemlich enttäuscht, zumindest dort wo ich entlang fuhr. Es gab nichts Schönes anzuschauen wie zum Beispiel Gebäude, Historisches oder ähnliches. Dann ging es weiter in Richtung Norden über Neukirchen via Benz nach Eutin. Holsteinische Schweiz. Einmal habe ich geschoben! Es war ein Anstieg mit grob behauenen Katzenköpfen zu bewältigen. Auf dem Zenit des Anstiegs angekommen, war eine grandiose Aussicht zu genießen. Die danach folgende Abfahrt bescherte mir eine Spitzengeschwindigkeit von ca. 48 km/h. Zu bestaunen waren die vielen kleine Bauernhöfe, ja es gibt sie noch, und die alten und noch bewirtschafteten Güter. In Sielbeck angekommen, gab es erst einmal eine halbe Stunde Pause. Hab ich auch gebraucht. Dann die letzte Etappe über Eutin nach Neustadt i.H.. Diese war trotz Bedenken ziemlich gut zu bewältigen. Die Anstrengungen waren wie bei den vorhergehenden ähnlich, die Beine waren gut eingefahren und wussten was zu bewältigen ist.
Auch hier herrliche Panoramen und rasante Abfahrten.
Lübecker Bucht
Ausblick vom Hotel Wallburg über
die Lübecker Bucht bei km 237.
Habe mich in Neustadt im Hotel Wallburg einquartiert. Drei Sterne für 85,- € und direkt am Hafen gelegen. Am Empfang hat mich eine leckere Tortenauswahl empfangen. Alles selbst gebacken so die Angestellte. Zu Abend gegessen habe ich dann in Klüvers Brauhaus . Das Essen war gut und das gebraute Bier war lecker. Einziger Wehrmutstropfen war die lahme Bedienung, denn das Glas blieb so manche Zeit trocken.
Nach dem Essen ging ich zurück ins Hotel um mich dort auf die Terrasse, gelegen an der Hafenseite, zu setzen. Von hier aus konnte ich sehr schön in die Lübecker Bucht und bis zum Timmendorfer Strand per Fernglas schauen. Ebenso sind von hier viele Segler und kleine Boote aus zu betrachten. Nach Erkundigung bei der DJH auf Fehmarn nach einem Bett, wurde mir eine Absage erteilt. Somit habe ich beschlossen, am folgenden Tag bis nach Nysted / Dänemark zu fahren. Voraussetzung ist natürlich, dass ich eine Unterkunft in Nysted bekomme, andernfalls musste ich mir auf Fehmarn eine Ausweichunterkunft suchen. Auch in diesem Hotel gab es für mich kein Lunchpaket. Aber abends beim Bier auf der Hotelterrasse bot mir die Bedienung, die davon Kenntnis hatte, an, mir ein paar Brote zu schmieren. Dieses Angebot von einer so selbstbewussten jungen Frau nahm ich gern an. Sie fand das von ihrem Chef nicht in Ordnung. Hut ab.

gefahrene Strecke: 112 km; 6,5 h



Der vierte Streckenabschnitt

Donnerstag, 31. Juli 2008
Von Neustadt aus um 6:00 Uhr gestartet, mit einem Lunchpaket in der Tasche, musste ich erneut nach den richtigen Weg suchen. Hab ihn dann entlang des Neustädter Binnenwassers gefunden. Der Sonnenaufgang war hier, wohl wegen der Umgebung, nicht so schön. Auch sonst bot die Landschaft keine neuen visuellen Erlebnisse.
Schloß-Anlage
Eingangsportal eines kleinen Wasserschlosses
bei km 247.
In Grömitz angekommen suchte ich mir zunächst eine Bäckerei um einen Kaffee zu trinken, muss so gegen 7:00 Uhr gewesen sein. Die ganzen Möchtegerns fingen an, Pseudosport zu treiben: Rollerskaten, Walking, Jogging, etc. Die Hauptsache hierbei, so schien es mir, war wohl die eigene Persönlichkeit in den Vordergrund zu stellen um nicht übersehen zu werden. Eine skurrile Kulisse für Selbstdarsteller. Bemerkenswert hierbei ist ebenso die frühe Uhrzeit des ganzen Geschehens. Von Grömitz dann ging es dann in Richtung Oldenburg i. Holstein. Die Strecke an sich bietet keine Herausforderungen wie auch keine erwähnenswerten landschaftlichen Leckerbissen. Die einzigen optischen Genüsse waren die verstreut liegenden Gutshöfe, Bauernhöfe, große und kleine, aber auch im umgekehrten Sinne die verfallenen Werkstätten vergangener Arbeit: traurig. Unter den Gebäuden waren wohl einige, die einstmals prächtige Reetdächer präsentiert hatten. Heute allerdings, ist dort nur der schnöde Eternit zu betrachten. Oldenburg selbst verdient mehr Aufmerksamkeit als ich mir genommen habe, evtl. später nochmal? Leider blies mir immer noch steter Gegenwind entgegen, was mir eine Reisegeschwindigkeit von ca. 30 km/Std. versagt. In Heiligenhafen angekommen, durfte ich die ersten Badenden bewundern. Hier war es aber nicht so wie in Grömitz.
Fehmarnsundbrücke
Über die Fehmarnsundbrücke
bei km 310.
Hier ging es geerdeter zu. In Richtung Fehmarnsundbrücke habe ich sodenn einen kontinuierlichen Gegenwind erfahren dürfen. Auf der Brücke selbst sollte man auch schieben, was bei dem Wind auch angebracht war. Dennoch haben alle mit mir, gar die entgegenkommenden, gefahren. Es war wahrlich sehr Windig. Auf der Brücke habe ich dennoch gehalten, um die schöne Aussicht zu genießen, mit dem Auto unmöglich. Die Aussicht ist einfach grandios. Habe eigentlich vorgehabt, an der Brücke zu Fruchtstücken. Aber Fehlanzeige, kein Schatten und Windschutz werden hier geboten. Fehmarns Landschaft aus früheren Aufenthalten bekannt, bin ich sodann nach Burg durchgestartet. Die endlos erscheinenden Autokolonnen ließen vermuten, dass es hier irgendetwas besonders geben muss. Gefunden habe ich allerdings nichts. Habe dann am Ortseingang bei Edeka meine Wasservorräte aufgefüllt und mich am Lunchpaket gütlich getan, mit Gedanken an den Spender. Hier habe ich auch Müsliriegel und eine kalte Müllermilch genossen. Um eine Bettstatt in Nystedt zu bekommen, habe ich versucht einige Unterkünfte anzurufen.
Ostsee Fehmarn-Puttgarden
Die Ostsee kurz vor Puttgarden
bei km 332.
Erfolglos musste ich Aufgeben, denn ich konnte niemanden erreichen. Also habe ich beschlossen auf das Glück zu setzten und dort vor Ort nach einer Unterkunft zu suchen. Also auf nach Puttgarden zum Fähranleger, so schnell wie möglich. Habe auf dem Weg dann noch einmal die Ostseeküste bewundern dürfen und dann ab auf die Fähre. Am Fähranleger der Vogelfluglinie angekommen war für mich der Mönchsweg zu Ende. Dafür brauchte ich ca. 3 ½ Tage, war aber sehr schön, dabei imposante Landschaften und Menschen begegnet, mit denen ich so manche Gespräche führen durfte. Die Beschilderung der ganzen Strecke war am Anfang sehr gut, mit abnehmender Tendenz, also schwach. Denoch ein großes Lob für denen, die die Streckenführung ausgearbeitet haben.
Nachfolgende Aspekte führe ich, von meiner Warte aus, zu diesem Radwanderweg an:

Fazit:
die Tour ist Super, habe aber während meiner Reise nur zwei Mitfahrende Paare angetroffen. Die Tour sollte, wenn möglich, mit dem Schleswig Holsteinischen Musikfestival aufgepeppt werden. Kirchen können Geschichten erzählen, zumal die älteren können sicherlich auch aus früheren Tagen ihre Erlebnisse berichten, vor allen Dingen deren Kirchgänger. Frei nach dem Motto: nicht alles ist Gold was glänzt.

Donnerstagmittag am Fähranleger. Habe mich kurzfristig entschlossen, ohne eine Unterkunft für die kommende Nacht zu haben, die Reise nach Dänemark, Nystedt, fortzusetzen. Als Radfahrer wurde ich an erster Stelle auf den Parkbahnen positioniert. Somit war ich also erster, aber auch der einzige Radfahrer.
Nystedt
Hafenstraße in Nystedt. Bei km 472.
Links ist das Kreditkarten-Hotel.
Die Überfahrt dauerte ca. 45 Minuten, auf der ich mir einen Single Malt gekauft habe. Nach dem Anlegen, musste ich erst einmal den herauskommenden Verkehrsstrom an mir vorbeiziehen lassen. Habe anschließend mein Navigationssystem in Betrieb genommen um nach Nystedt zu kommen. Es waren ca. 30 km Weg bei schönem Wetter zu bewältigen. Der Wermutstropfen war allerdings der konstant starke Gegenwind, der mich bis zum Ziel begleitet hat. Wie sich später herausstellte, waren diese 30 km das Ergebnis einer strapaziösen Arbeit. Landschaftlich bot dieser Teil Dänemarks nichts Schönes. Es ist etwas schnöder als Deutschland, wobei die Verkehrsschilder in rot/weiß gehalten sind und der Baustil ein anderer ist. Aber auch hier gibt es Höfe, die sehr bewundernswert sind. Entlang der Strecke wurde an vielen Stellen das Getreide den Feldern entnommen. Die Luft war förmlich von Getreidepartikeln durchsetzt. Nach Ankunft in Nystedt gab es seitens der Strapazen ein erhebendes Gefühl endlich am Ziel angekommen zu sein. Nun gilt es aber eine Unterkunft zu organisieren. Am Hafen angekommen habe ich mich hier nach einer Unterkunft informiert. In der Pölser - Bude an der Mole habe ich den Tipp bekommen, das im nachfolgenden Restaurant die Beisitzerin ein Hotel, das rot - weiße, am Hafen besitzt.
Nystedt bei Nacht
Hafen in Nystedt bei Nacht.
Das Restaurant ist sehr empfehlenswert. Habe mich sodann bei der Besitzerin gemeldet, diese teilte mir daraufhin mit, dass das Einchecken nur mit Kreditkarte funktioniert. Das Einloggen funktionierte ganz gut, trotz der deutsch / dänischen Menüführung. Einfach nur die entsprechenden Daten eingeben und schon wird die Kreditkarte zu einem Hotelschlüssel, in Deutschland ist mir so was noch nie begegnet. Einfach und genial. Habe damit ein kleines und sauberes Zimmer mit Hafenblick bekommen, war auch der einzige Gast welches ich beim frühstücken feststellen durfte. Nach der Strapaze erst einmal eine Dusche, schön. Einziger Nachteil an dem Zimmer ist, dass die Sonne erbarmungslos in das Zimmer brennt. Ergo blieb das Fenster über Nacht weit offen und ermöglichte nun den Mücken freien Einlass. Dem Hunger zu besänftigen habe ich dann im Restaurant der Hotelierin gespeist. Lachs mit ungeschälten jungen Kartoffeln, knackiges Gemüse adrett angerichtet. Als Dessert gab es Palatschinken. Für das Auge sowie dem Geschmackssinn sehr anregend. Die Chefin sowie die Angestellte sprechen sehr gut deutsch. Zurück auf dem Zimmer habe ich angefangen mein Tagebuch weiter zu führen und um die wundervolle Abendstimmung einzufangen.

gefahrene Strecke: 140 km, 8 h



Der fünfte Streckenabschnitt

Freitag, 01. August 2008
Habe heut mal ausgeschlafen und gegen 8:00 Uhr gefrühstückt. Ich war der einzige Gast im Hotel. Das Hotel funktioniert über eine Kreditkartenbuchungsanlage: Karte durchziehen dann durch das Menü geführt werden und schon ist die Karte der Hotelschlüssel. Nach dem Frühstück ging es weiter im gemütlichen Gang von diesem herrlichen Ort nach Gedser. Auf diesem Streckenabschnitt gab es glücklicher Weise nur Seitenwind. Auch war es mit dem Fahrrad gut zu fahren. Auf der Brücke in Nykøbing rief mich ein Kollege aus der Firma an. Meine Vermutung das ein Kunde Havarie erlitten hat, haben sich entkräftet.
Fähranlage Gedser
Die Fähranlage mit Bahnhof in Gedser.
Bei km 490.
Die Kollegen haben gewettet wo ich mich wohl gerade aufhalten würde. Dabei hat sich herausgestellt, dass ich wesentlich weiter war als ihre Vorstellung es war. Gegen 12:00 Uhr bin ich am Fähranleger in Gedser angekommen. An den kleinen Wärterhäuschen für die Autofahrer habe ich mir sogleich ein Fährticket nach Rostock gekauft. Ungefähr eine Stunde später hat die Fähre abgelegt. Während dieser knappen Stunde Wartezeit sind dann immer mehr Fahrradfahrer am Fähranleger eingetroffen. In Puttgarden war ich der einzige Radler. Die Überfahrt dauerte ca. anderthalb bis zwei Stunden. Es war sonnig und sehr windig. Diesmal habe ich an Bord nichts gekauft. Muss ja auch alles mittransportiert werden. Auf dem Schiff habe ich mir dann das Wellenspiel und die sich aufziehenden Wolken angeschaut. Kaum hat die Fähre angelegt, bin ich auch schon losgestrampelt. Je weiter ich fuhr, umso merkwürdiger wurde der Straßenverlauf. Als es dann in Richtung Autobahn ging, kam zu meiner linken ein Polizeieinsatzwagen. Die darin sitzenden Herren machten mich darauf aufmerksam, dass ich, wenn ich weiterfahren würde, auf die Autobahn komme. Die Polizisten erklärten mir dann den Weg nach Rostock. Sicherheitshalber bin ich nach der nächsten Abbiegung angehalten um mein GPS Gerät einzuschalten um Zielgerichtet nach Rostock zu gelangen. Dabei habe ich erst bemerkt, dass mir von der Fähre bis hier drei Radfahrer gefolgt sind. Wie sich herausstellte waren die drei aus Quebec / Kanada. Zusammen sind wir dann nach Rostock eingefahren, und dann haben sich unsere Wege getrennt. Eine kleine Personenfähre hat mich dann über die Warnow gesetzt, wo ich dann auch eine Jugendherberge gefunden habe.
Rostock
Rostock. An der Mole die Georg-Büchner.
Bei km 500.
Eine DJH auf dem Schiff Georg Büchner , die einstmals als Truppentransporter gedient hatte. Da die DJH belegt war, bekam ich im Hotelteil eine Kajüte zugewiesen. Zunächst einmal habe ich das Gepäck abgestellt und bin im Neptun-Center einkaufen gewesen. Das Neptun-Center ist eine ehemalige Werft die zu einem Einkaufszentrum umgebaut worden ist. Beim Umbau wurde darauf geachtet, dass der widererkennungswert zur Werft erhalten geblieben ist. Am Abend, die Wolkendecke hat sich geschlossen, saß ich auf dem Oberdeck unter einer Persenning. Wenig später setzte sich ein Ehepaar an einen anderen Tisch. Zunächst studierte ich mein Kartenmaterial um von Rostock nach Schwerin zu fahren, bis zu Einsatz meines GPS Gerätes: wen möglich bitte wenden! Die beiden Augenpaare schauten belustigt zu mir herüber. So kamen wir ins Gespräch und tranken den mitgebrachten Wein. Irgendwann setzte dann ein kräftiger Platzregen ein, der uns unter der Persenning aber nichts anhaben konnte. Trotzdem sind wir dann schlafen gegangen, da es langsam ungemütlich wurde. Unerfreulicherweise war meine Kajüte auf der Molen Seite. Denn später fand im gegenüberliegenden Haus eine Hochzeit statt. Zum Glück habe ich Ohrenstöpsel mitgenommen, so konnte ich bis zum nächsten Morgen, kurz vor sechs, schlafen. Morgens frisch gemacht, das Fahrrad klargemacht und ab ging es auf abgelegene Straßen nach Schwerin.

gefahrene Strecke: ca. 80 km

Die gefahrene Gesamtstrecke beträgt in etwa 580 km.